EDDH 06.07.2017 - G20-Gipfel in Hamburg

Wer an den G20-Gipfel in Hamburg zurückdenkt, der hat sicherlich zuerst die Bilder brennender Autos, verwüsteter Straßenzüge und Konfrontationen von Vermummten und Polizisten vor Augen. Es ist schon erschreckend, wenn sich einzelne Straßen binnen kurzer Zeit zu Orten entwickelt haben, wo man nicht mehr weiß, wer dort das Sagen hat. Ähnlich bitter ist es, dass der Gipfel auch politisch nicht der große Wurf war. Nur für eine kleine Randgruppe von fotografierwütigen Luftfahrtfans herrschte um das zweite Juliwochenende ein Ausnahmezustand im positiven Sinne, schließlich kamen die 20 Staats- und Regierungschefs mit zum Teil großen Regierungsflotten nach Hamburg eingeflogen.

Recht spontan fuhr ich ebenfalls nach Fuhlsbüttel, um so manchen Regierungsjet zu sehen. Doch auch der normale Verkehr war ganz ansprechend. So schickte LOT etwa diese bunte Dash-8 (SP-EQE), welche für eine Reise in die Karpaten wirbt.

LOT - DH8D - SP-EQE (1)

Iran Air steuerte die Hansestadt mit einer ihrer nagelneuen A330-200 an. Nachdem die wirtschaftlichen Sanktionen für den Iran gelockert wurden, ist der Nationalcarrier auf große Einkaufstour bei Airbus, ATR und Boeing gegangen. Die EP-IJA entstammt der riesigen Bestellung von über 100 Maschinen und verdrängt damit langsam die veralteten Airbus A300/A310, die bisher auf der Route nach Teheran eingesetzt wurden.

Iran Air - A332 - EP-IJA (1)

Iran Air - A332 - EP-IJA (3)

Seitdem Niki für ihre Urlaubsstrecken zahlreiche A321 von Air Berlin erhalten hat, sind die silbernen Niki-Fliegen nun bei der Muttergesellschaft Air Berlin im Einsatz. Aus OE-LEC wurde so D-ABHL. Mir soll es recht sein - so bekomme ich diese eigenwillige Lackierung noch ein wenig öfter vor die Linse.

Air Berlin - A320 - D-ABHL (3)

Mein Besuch in Fuhlsbüttel an jenem Donnerstag war eher dem Zufall geschuldet. Ich hatte den G20-Traffic nämlich am Donnerstagabend und Freitagmorgen erwartet. Von offizieller Seite durften zudem keine Informationen preisgegeben werden und so wäre ich fast zu Airbus nach Finkenwerder gefahren. Zum Glück bekam ich am Abend vorher doch noch den Tipp, dass ein Besuch in Hamburg ganz lohnenswert werden könnte. Selten ist es hier so verschwiegen zugegangen. Dementsprechend muss ich zugeben, dass es mir schließlich eine leichte Genugtuung verschaffte, als die zirkulierenden Flugpläne für den G20-Sonderverkehr schon ab dem Vormittag wieder hinfällig waren. Und so kam auch diese Gulfstream C-37B aus Luanda völlig überraschend eingeflogen.

Best Fly Worldwide - GLF5 - P4-BFY (2)

Die chinesische Delegation um Präsident Xi Jinping kam mit einer Boeing 747-400 eingeflogen. Der chinesische Präsident hatte seinen Deutschlandbesuch in Berlin gestartet, sodass die B-2472 an diesem Tag nur eine kurze Anreise aus Tegel hatte.

Air China - B744 - B-2472 (2)

Egal ob Condors "Willi", die "Impressions of Istanbul" von Sun Express oder die farbenfrohe Lackierung von Ada E. auf einer Pegasus 737 - so richtig erfolgreich bin ich bei Sonderlackierungen von Ferienfliegern nicht. Als Trostpreis kam mir diesmal immerhin die Detur-Lackierung von Corendon vor die Linse.

Corendon - B738 - TC-TJJ (2)

Auch dieser schicke Avroliner aus Brüssel (EI-RJY) passte noch gut in meine Sammlung.

Cityjet - RJ85 - EI-RJY (2)

Die Brasilianer um Präsident Michel Temer kamen mit einigen Embraers nach Deutschland.

Brazilian Air Force - E135 - 2580 (2)

Ein TUIJET mit blauen Split-Scimitar-Winglets...dass ich das noch erleben darf. Dass man den Großteil der Flotte mit grauen SSWs ausgestattet hat, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Den Leuten von Thomson geht es wohl ähnlich, denn als sie die D-ATUQ als G-TAWW eingeflottet haben, bekam die Maschine erst einmal blaue Latten. Die D-ATYB ist nun einer der Neuzugänge in der X3-Flotte, welche die Hannoveraner im Tausch für -TUQ und -TUO von der britischen Schwesterairline erhalten haben.

TUIfly - B738 - D-ATYB (1)

Der Shootingstar der kanadischen Politik, Justin Trudeau, reiste mit dieser formschönen A310 an.

Canadian Armed Forces - A310 - 15001 (3)

Aber wer sitzt bloß hier drin? Abgesehen davon, dass ich die Russen-Kracher, Vietnamesen und Briten verpasst habe, war es ebenso traurig, dass man spontan meist gar nicht wusste, wer aus den betreffenden Ländern anreiste. In Australien hat momentan Premierminister Malcolm Turnbull der konservativen Liberal Party das sagen. Über seinen BBJ mit Augenbrauen habe ich dabei besonders gefreut, da ich die Maschine vorher gar nicht auf dem Zettel hatte.

Royal Australian Air Force - B737 - A36-001 (2)

Eine Boeing 757 wäre schön gewesen, aber auch die C-40 Clipper der US Air Force nehme ich gerne. Die Maschine bildete quasi die Vorhut, ehe später die beiden großen Jumbos einschwebten.

USAF - B737 - 10041 (3)

Den ganzen Tag über hingen zahlreiche Hubschrauber über der Stadt - allein in Flughafennähe konnten wir sechs Stück ausmachen, die nahezu unbeweglich in der Luft hingen. Doch zumindest auf der Brücke der Flughafenstraße blieb es friedlich. Mittlerweile waren nicht nur Spotter auf der Brücke vertreten, sondern auch viele Schaulustige und ein Patriot mit großer USA-Flagge. Als die Ankunft der Air Force One näher rückte, wurde die Polizei dennoch unruhig und patrouillierte verstärkt über die Brücke. Alle warteten gespannt doch es geschah - nichts. Das Licht stand mittlerweile schon auf der Bahnachse und so wagten wir noch einen schnellen Wechsel auf die andere Seite. Nach vielen weiteren Minuten der absoluten Stille im Anflug kam schließlich Donald Trump (etwas zu tief) in Hamburg eingeflogen.

USAF - B742 - 29000 (2)

Mehrere Linienmaschinen drehten derweil so manche Warteschleife. Sie mussten warten, bis die Koreaner und die zweite Maschine der US Air Force gelandet waren. Ladies and Gentlemen, Präsident Moon Jae-in aus Südkorea mit seiner Boeing 747-400.

Korean Government - B744 - 10001 (1)

Korean Government - B744 - 10001 (3)

Wieder herrschte minutenlang Stille im Anflug, ehe die zweite Boeing VC-25 der Amerikaner zur Landung ansetzte. Die umgebauten Boeing 747-200B sind seit 1990 für die US-Regierung im Einsatz. Nachdem ich sie so oft in den Nachrichten gesehen habe, war es schon beeindruckend, diese beiden eleganten Maschinen des sogenannten mächtigsten Präsidenten der Welt live und in Farbe zu sehen. Da konnte ich sogar die Flimmerei und das bescheidene Licht verschmerzen.

USAF - B742 - 28000 (1)

USAF - B742 - 28000 (3)

Wenig später machte ich mich auf den Heimweg. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Denn mehrere Staats- und Regierungschefs reisten im schönsten Abendlicht mit ihren Maschinen an. Andererseits hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon knapp acht Stunden am Airport verbracht und auf vage Erwartungen wollte ich mich nicht länger stützen. Meine Begeisterung ist in solchen Fällen durchaus endlich... Zugleich trieb mich die Sorge an, dass die für den Abend angemeldete Demo "Welcome to Hell" womöglich auch zu Sabotageakten am Hauptbahnhof neigen könnte. Und auf Schienenersatzverkehr war mir an jenem Abend wirklich nicht mehr.

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