FS Weekend in Lelystad 2016

Seit 1999 findet in den Niederlanden das FSweekend, die weltgrößte Messe für die Flugsimulation, statt. Ähnlich wie bei dem deutschen Pendant, der FS Konferenz, kommen dort zahlreiche Schreibtischpiloten zusammen, um neue Software zu kaufen, Vorträgen zu lauschen oder um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Eine solche Veranstaltung hätte mich für gewöhnlich nicht angelockt, wenn mich nicht ein Bekannter auf den Veranstaltungsort aufmerksam gemacht hätte: das Aviodrome in Lelystad. In den Hallen am Flugplatz Lelystad ist das nationale Luftfahrtmuseum beheimatet, wo man sich auf eine Zeitreise durch 100 Jahre niederländische Luftfahrtgeschichte begeben kann. Mit der Hoffnung auf ein paar schöne Fotos war ich sofort begeistert und so begaben wir uns an einem trüben Novembertag auf unseren Sonntagsausflug zu den Dutchies.

Aviodrome Lelystad

Aus museumspädagogischer Sicht bedarf das Aviodrome dringend einer Auffrischung. Manche Schaukästen und Mitmachaktionen wirken recht altbacken. Die Kinder hat das wahrscheinlich kaum gestört, denn ähnlich wie in den Technikmuseen in Sinsheim und Speyer, ist das Aviodrome vorrangig auf Familien ausgelegt. Mit Rutschen und Flugzeugdreirädern gleicht es einem kleinen Abenteuerspielplatz. Aber natürlich gibt es in der Ausstellungshalle auch zahlreiche Exponate zu bewundern, wie die KLM Douglas DC-3 oder die Martin's Air Charter de Havilland Dove, dem Vorläufer der heutigen Martinair.

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Anlässlich des FSweekends wimmelte es im Ausstellungsgebäude nur vor Simulanten. Dabei wurde das Geschehen von den Home-Cockpit-Bauern und Onlinefliegern dominiert. Firmen priesen ihre Cockpitmodule mit wohlklingenden Namen wie Overhead Panels, Mode Control Panels oder Control Display Units an. Wir haben vorzugsweise die Hersteller von Boeing-737-Modulen besucht und die Teile genauer unter die Lupe genommen. Ich hätte nicht gedacht, dass es sowohl optisch als auch haptisch große Unterschiede zwischen den Herstellern gibt.
Selbstverständlich präsentierten zahlreiche Hobby-Piloten auch ihre eigenen Home-Cockpits. Von einfachen Eigenbauten, über professionelle Airbus A320 Cockpits, bis zum Kampfjet war alles vertreten und es war durchaus spannend zu sehen, wie andere das Hobby betreiben.

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Die Mitglieder der Onlineflug-Netzwerke IVAO und VATSIM waren auch sehr aktiv. Während mir in der VATSIM-Ecke vor allem die Lotsen in Erinnerung geblieben sind, die an zahlreichen Bildschirmen für einen reibungslosen Betrieb in Amsterdam-Schiphol sorgten, beeindruckte mich die IVAO-Ecke mit ihrem Gruppenflug nach Korfu. So konnte man einigen Fliegern über die Schulter kucken, wobei die jeweilige Landung auch auf einer Leinwand übertragen wurde. Der dadurch entstehenden Aufregung war es wohl auch geschuldet, dass einzelne Landungen recht abenteuerlich ausfielen. Am Lotsen, der im richtigen Leben eine Boeing 747 fliegt, kann es zumindest nicht gelegen haben...

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Eines der Highlights in Lelystad ist die Boeing 747-200SUD (Streched Upper Deck), welche man über eine Fluggastbrücke, direkt aus dem Ausstellungsgebäude heraus, betreten kann. Im hinteren Teil des KLM-Jumbos wurden Sitze und Verkleidungen entfernt, sodass die Rumpfstruktur sowie zahlreiche Steuerseile, Rohre und das riesige Druckschott zum Vorschein kommen.

Aviodrome Lelystad

Im restlichen Teil wurde die Kabine glücklicherweise erhalten, sodass man einen Eindruck erhält, wie man in den 90er Jahren und um die Jahrtausendwende unterwegs war. Während in der Economy-Klasse kleine Röhrenbildschirme in den Gängen für die Bordunterhaltung sorgten, bot man den Passagieren der ersten Klasse nicht nur mehr Komfort, sondern auch kleine Displays, welche sich in der Armlehne verstauen ließen. Dabei gefiel mir, dass man vieles anfassen und auf den Sitzen Platz nehmen konnte. Dadurch wirkte das Flugzeug deutlich lebendiger, als etwa die Sinsheimer Concorde, dessen verbliebene Sitze hinter Plexiglas montiert sind.

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Ähnlich wie in den anderen ausgestellten Flugzeugen, ist die Plexiglasscheibe zum Cockpit mit Fotolöchern versehen, sodass man ganz problemlos fotografieren kann. Weil Boeing der B747 erst ab der 400er-Serie ein modernes Zwei-Mann-Cockpit spendierte, verfügt die PH-BUK noch über einen  dritten Sitz für den Flugingenieur. Zudem dominiert ein klassischer "Uhrenladen" das Cockpit, also analoge Rundinstrumente. Allerdings fallen kleinere Modifikationen ins Auge, wie etwa die CRT-Röhre für den künstlichen Horizont auf der linken Seite.

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Draußen auf dem Ausstellungsgelände steht ein Nachbau des ersten Abfertigungsgebäudes vom Flughafen Amsterdam-Schiphol von 1928. Das ist nicht nur von außen hübsch anzusehen, sondern bietet auch innen einen schönen Kontrast zum eher karg gehaltenen Ausstellungsgebäude. Denn im Inneren empfängt einen das Flair vergangener Tage, wenn die Museumsmitarbeiter mit den Kindern morsen üben oder man im Büro des Flughafenchefs dessen Ausbau-Vision von AMS sieht. Besonders die Schalterhalle mit den alten KLM-Verbindungen fand ich sehr gelungen.

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Aviodrome Lelystad

Spricht man von holländischer Luftfahrtgeschichte, so meint man eigentlich KLM und Fokker. Die Fluggesellschaft und der Flugzeughersteller prägen die internationale Luftfahrt seit Jahrzehnten. Allerdings werden die Fokker-Maschinen zunehmend ausgemustert. Umso mehr freute ich mich, als die Sonne sich gegen Abend doch noch durch die Wolken kämpfte und albumtaugliche Fotos von der KLM Cityhopper F100 und dessen Vorgänger, der NLM Fokker F27, ermöglichte.

KLM - F100 - PH-OFA (1)

KLM - F100 - PH-OFA (2)

NLM - F27 - PH-FHF (1)

NLM - F27 - PH-FHF (2)

Nur für diese letzten sonnigen Bilder von den beiden Oldies hat sich der Besuch im Aviodrome für mich schon gelohnt. Aber auch so war es ein sehr kurzweiliger und interessanter Ausflug in die Niederlande. Vielen Dank, an dieser Stelle noch mal, an Daniel für die Idee und fürs Mitnehmen!

Kommentare